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LKH Villach » Von der Urlaubslust zurück zum Arbeitsfrust!?

05 / September / 2014

Von der Urlaubslust zurück zum Arbeitsfrust!?

Eben noch erholte man sich in den Bergen, im Büro wartet indessen schon eine andere Art von Bergen: Akten. Damit der Erholungsfaktor nach dem Urlaub nicht zu schnell verpufft sind einige Regeln zu beachten. Tipps, wie die ersten Arbeitstage leichter bewältigt werden.

Er ist gerade erst vorbei – der heiß ersehnte Sommerurlaub. Unbeschwerte Tage Zuhause, am Meer oder in den Bergen, an denen die Akkus wieder aufgeladen wurden. Doch schon am ersten Tag am Arbeitsplatz kehrt bei vielen Menschen der Stress zurück. Der Anblick von Aktenbergen am Schreibtisch, lässt den Erholungseffekt binnen kurzem schwinden. Man fühlt sich ausgelaugt und gestresst wie vor Urlaubsantritt.

Keine Flucht.
Um von der gewonnenen Erholung möglichst lange zu zehren, ist eine gezielte Planung der Rückkehr bereits vor dem Urlaub entscheidend. „Die Erwartungshaltung spielt eine zentrale Rolle“, erklärt Primaria Dr. Christa Rados, Leiterin der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin an LKH Villach. „Wenn persönliche Bedürfnisse mehr als 40 Wochen im Jahr verdrängt werden, können diese Defizite nicht in den knapp bemessenen Urlaubstagen ausgeglichen werden. Wer die Einstellung hat, dass sich das wahre Leben ausschließlich außerhalb der Arbeitszeit abspielt, der lebt in einer Illusion.“ Und weiter: „Der Urlaub sollte keine Flucht sein, sondern vielmehr besondere Qualitätszeit, in der man ohne Termindruck, seine Bedürfnisse befriedigen kann.“

Freude statt Frust.
Insofern gelingt der Urlaub dann besonders gut, wenn man grundsätzlich positiv zur Arbeit eingestellt ist und sie nicht als minderwertige Zeit erlebt. Als besonders günstiges Zeichen ist zu werten, wenn man sich nach einigen Wochen Auszeit wieder auf den Beruf, die Herausforderungen und die Kollegen freuen kann. Rados: „Immerhin nimmt die Arbeit einen sehr großen Teil des Lebens ein. Wenn der Widerstand gegen die berufliche Tätigkeit zu stark wird, sollten sich Betroffene fragen woran es liegt.“ Arbeite ich vielleicht zu viel? Passen die Herausforderungen für mich oder bin ich über- oder sogar unterfordert?  Gibt es Probleme mit dem Arbeitsklima und kann ich etwas zur Verbesserung beitragen? Mit den Antworten auf derartige Fragen lässt sich der Frust genauer analysieren und es können konkrete Lösungsstrategien entwickelt werden.

Planung vor dem Urlaub.
Entsteht der Stress  nach dem Urlaub vor allem dadurch, dass Arbeit liegengeblieben ist und  die gestapelten Aktenberge den Schreibtisch nach der Rückkehr zudecken, kann eine Umstrukturierung und Priorisierung hilfreich sein. Nach Möglichkeit sollte eine Urlaubsvertretung mit klarer Aufgabendelegation während der urlaubsbedingten Abwesenheit definiert  werden. „So kann vieles während des Urlaubs bereits erledigt werden“, sagt Rados – Das lässt den Arbeitsberg sicher erheblich schmelzen. Vom Urlaub zurückgekehrt kann man sich dann in Ruhe wieder einarbeiten und  man hat nicht gleich dringende Aufträge zu erledigen.

Abschalten.
Wichtig auch: Keine Arbeit in die verdiente freie Zeit mitnehmen! „Man sollte wirklich Abstand gewinnen und abschalten können“, so die Villacher Primaria. Abzuraten ist es etwa sich Mails nachschicken zu lassen oder ständig für kleine Alltagsprobleme am Arbeitsplatz erreichbar zu sein. „Anrufe von Kollegen oder vom Chef sollten vermieden werden“, stellt Rados klar. Aber: Natürlich heißt das nicht, dass man sich den Themen seiner Arbeit völlig enthalten muss. Es kann durchaus auch Freude machen im Urlaub ein Fachbuch zu lesen. Denn: „Ein bisschen soll unser Gehirn auch gefordert werden. Ist es doch bewiesen, dass man bereits nach zwei Wochen abbaut, wenn es im Urlaub um reine Entspannung ohne geistige Herausforderungen geht.“

Sanfter Einstieg in den Alltag.
Bei Urlaubsreisen ist es empfehlenswert nicht erst am letzten Urlaubstag nach Hause zu kommen. „Es hat keinen Sinn den Urlaub bis zum letzten Tropfen auszupressen. Stattdessen sollte man sich ein paar Tage Zeit geben, wieder in den alltägliche Rhythmus hineinzugleiten.“ Einerseits werden so die neu gewonnenen Eindrücke einer Reise verarbeitet. Andererseits ist es förderlich sich wieder auf den Alltag einzustellen. Es kann beispielsweise helfen nicht an einem Montag wieder in den Job einzusteigen sondern vielleicht an einem Freitag. „Da steht dann auch schon wieder das Wochenende vor der Tür. Man erlebt so einen sanfteren Einstieg.“

Akten sichten.
Für den ersten Arbeitstag empfiehlt Rados die angesammelte Arbeit zu sichten und die Aufgaben priorisieren. Was muss gleich erledigt werden, wofür bleibt noch länger Zeit? Was kann man delegieren? „Hier ist es wichtig, auch mal Nein sagen zu können. Wenn zu viel auf einmal herangetragen wird, sollte man auf jeden Fall klar sagen, dass dieses Pensum von einem Tag auf den anderen nicht zu schaffen ist“, erklärt Rados. Und: „Mut zur Lücke! Was vor dem Urlaub bereits länger liegen geblieben ist, kann meist auch jetzt noch eine Weile warten.“

Nachwirken lassen.
Die Psychiaterin appelliert daran, die vergangene freie Zeit mit ihren positiven Eindrücken nachwirken zu lassen. Das können Kleinigkeiten sein. „Der mitgebrachte Wein kann am Abend mit der Familie genossen werden oder ein Rezept aus dem Urlaubsland wird am Wochenende noch einmal nachgekocht.“ Aber auch ein Foto vom Urlaub am Smartphone hat einen positiven Effekt. „Das Lieblingsbild des Sommers als Hintergrundbild oder Bildschirmschoner oder das Klub-Lied vom Urlaubsort als Klingelton aktivieren Glücksgefühle“, weiß Rados.
Selbstmotivation


Für eine langanhaltende positive Grundstimmung im Alltag ist aber vor allem eines entscheidend: Selbstmotivation. „Sie ist im Wesentlichen die beste Prävention vor dem Gefühl Ausgebrannt zu sein. Man soll sich dabei stets bewusst sein, was man mit seiner Arbeit erreichen will und sich klar machen, wie man dieses Ziel am besten erreicht. Die Arbeit soll auch begeistern, Erfolge stolz machen“, sagt Rados, die abschließend betont: „Nur wer sich für seine Arbeit begeistern kann, ist auch in der Freizeit begeisterungsfähig.“